Was ist Voltigieren denn überhaupt?

Voltigieren ist eine facettenreiche Sportart. Ausdruck und Bewegung, Kraft und Geschicklichkeit, Mut und Vertrauen, Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit – die hohen Anforderungen an die Sportlerinnen und Sportler bedingen ein vielseitiges Training, in dem alle Beteiligten ihren Part üben, üben, üben.

Voltigieren ist eine integrierende Mannschaftssportart. Im Gruppen-, Doppel- und Einzelvoltige steht immer ein Team am Start, denn ohne Pferd und Longenführer läuft gar nichts. Speziell herausgefordert sind die Gruppen, denn sie setzen sich aus Mädchen und Jungen verschiedenen Alters zusammen. Das heisst, im Voltigesport gibt es keine Geschlechtertrennung und keine Altersklassen. Will ein Team Erfolg haben, müssen alle bereit sein, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Es gilt zu respektieren: Jungs haben andere Stärken als Mädels, junge Berufstätige setzen andere Prioritäten als Mittelstufenschüler.

Voltigieren ist eine abwechslungsreiche Pferdesportart. Und das nicht nur für die aktiven Voltis, die auf dem Rücken des Pferdes ihre Tanz- und Akrobatikelemente turnen, sondern auch für das Pferd. Seine Ausbildner und Ausbildnerinnen sorgen dafür, dass es regelmässig in der Halle und im Gelände geritten wird. Ebenfalls steht eine ideenreiche Bodenarbeit auf dem Trainingsplan. Longenführer und Pferd müssen ohne direkten Körperkontakt miteinander kommunizieren können, und das will erprobt sein.

Geschichte der Sportart

Die Ursprünge unserer Sportart sind bis in die Römerzeit zurückzuführen. Dort wurden akrobatische Übungen auf dem Pferderücken bereits bei den bekannten „Römischen Spielen“ in den Arenen aufgeführt. Ausserdem gehörte Voltigieren zum Ausbildungsprogramm der berittenen römischen Offiziere.

Im Mittelalter galt Voltigieren ebenfalls als Ausbildungsteil für die Ritter. Das sogenannte „Rossspringen“ schulte die Ritter in ihrer Geschicklichkeit auf dem Pferderücken. Sie lernten Aufsprünge und kunstvolle Übungen in voller Rüstung.

In der Renaissance wurde aus dem „Rossspringen“ das französische „La Voltige“, woraus dann der heutige Name Voltigieren entstand.

Ein Meilenstein der Geschichte des Voltigierens war die Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele in Antwerpen im Jahre 1920. Unter der Bezeichnung „Kunstreiten“ traten junge Kavalleristen in Mannschafts- und Einzelwettkämpfen gegeneinander an. Jedoch war dies bis heute eine einmalige Sache.

Es findet alle 2 Jahre eine Weltmeisterschaft statt und abwechselnd dazu alle 2 Jahre eine Europameisterschaft.
Alle 4 Jahre ist die Weltmeisterschaft ein Teil der World Equestrian Games, bei welchen eine Vielzahl an Pferdesportarten in einem grossen Event ihre Weltmeisterschaften gemeinsam austragen. Die nächste solche Veranstaltung findet 2018 in Kanada statt.
In den Wintermonaten findet zusätzlich noch der Worldcup statt, bei welchem die qualifizierten Sportler über mehrere Destinationen um den Worldcup-Titel kämpfen.

Die Pflicht

Die Pflicht ist eine vorgegebene Folge von 8 verschiedenen Übungen, welche am Wettkampf von jedem Voltigierer gezeigt werden muss. Die Anforderungen der Pflicht variieren je nach Leistungsklasse.

Mit der Pflicht kann das grundlegende turnerische Niveau festgestellt werden. Sie soll bewirken, dass die Sportler ihrem Leistungsniveau entsprechend in die Kategorien eingestuft werden.

Die Pflicht der obersten Leistungsklasse besteht aus den Übungen: Aufsprung, Fahne, Mühle, Schere vorwärts, Schere rückwärts, Stehen, Flanke nach innen, Abflanken. Die Pflichten der tieferen Leistungsklassen beinhalten vereinfachte Übungen oder vorbereitende Übungen, die der S-Pflicht angelehnt ist.

Die Pflicht wird in allen Leistungsklassen im Galopp gezeigt. Dies ist die Mindestanforderung, um an einem Wettkampf starten zu können.

Die Kür

In der Kür werden statische und dynamische Übungen nach freien Ideen der Sportler miteinander kombiniert.
Die einzelnen Kürelemente können in alle Blick- und Bewegungsrichtungen ausgeführt werden. Eine Kür-Choreographie umfasst zusätzlich Arm- und Kopfbewegungen, die auf eine frei gewählte Musik abgestimmt sind.

In den letzten Jahren hat es sich etabliert, die Kür zu einem bestimmten Thema zu turnen, welches durch passende Musik, Choreographie und Bekleidung interpretiert wird.

Eine Besonderheit der Kür im Doppel- und Gruppenvoltigieren besteht darin, dass sich mehrere Personen gleichzeitig auf dem Pferd befinden dürfen: Je nach Leistungsklasse unterscheidet es sich, ob die Kür im Schritt oder Galopp gezeigt wird und ob bis zu 2 oder bis zu 3 Voltigierer gleichzeitig auf dem Pferd sein dürfen/müssen.